Vorwort:
2006 fanden sich in einem Internet-Network (www.xing.de) ein paar AutorInnen zusammen, um zusammen ein paar Theater-Szenen zu schreiben.
Das Stück sollte lose auf den klassischen Heldinnen aus Grimm's (und anderen) Märchen basieren. Nachdem sie alle am Ende des Märchens glücklich verheiratet wurden oder ein sonstiges vorläufiges "Happy End" erlebt haben, treffen sie sich zu einer Art neuzeitlichem "Alumni-Stammtisch" und tauschen ihre Erfahrungen aus...
Die Urheberrechte und damit verbundene Verwertungsrechte bleiben natürlich bei den Autorinnen.
Hier: Angaben bzw. direkter Link zu meinen beiden Kolleginnen Birgit Bauer und Christiane von Lewinski
Das Stück darf übrigens von (Amateur-)Theatergruppen aufgeführt werden, und zwar royalty-free.
"Die Rückkehr der Märchentanten"
(von Birgit Bauer, Christiane von Lewinski und Susanne Schönfeld-Wagner)
Bühne: Restaurantumgebung (Einrichtung 18. meets 21. Jahrhundert), ein Tisch mit entsprechend vielen Sitzplätzen. (Optional kann dezente Hintergrundmusik eingespielt werden.)
Von Zeit zu Zeit erscheint ein Ober bzw. eine Bedienung, geht mit einem Tablett umher, serviert usw.
Am Tisch sitzen bereits zwei Frauen (25-35 J.), Schneewittchen und Aschenputtel, beide gutaussehend, elegant, offensichtlich reich, moderne Prinzessinnen. Sie unterhalten sich gedämpft und angeregt, als eine weitere Frau im selben Alter, Typ Geschäftsfrau, hereinkommt, Handy am Ohr: Goldmarie.
Goldmarie:
(ins Handy) „Ja. Ja. Aber natürlich schicken wir Ihnen eine passende Haushälterin vorbei... Natürlich hat sie beste Referenzen... Und einen Butler? Sehr gern, ich maile Ihnen gleich morgen früh die Profile der Leute zu... Ja, vielen Dank, wir hören dann von einander! Bis morgen!“ (schaltet Handy aus) „Hallo, Mädels! Tschuldigung, dass ich zu spät bin, aber die Agentur hat gerade einen neuen Großauftrag an Land gezogen!“
Aschenputtel:
(freundlich) „Macht ja nichts, die anderen sind auch noch nicht da. Viel zu tun, ja?“
Goldmarie:
(setzt sich und gibt dem Ober ein Zeichen) „Oh, ja! Ich hatte mal gedacht, es wäre weniger anstrengend, Hausangestellte zu vermitteln, anstatt die ganze Arbeit selbst zu machen, aber so bin ich auch ganz gut beschäftigt.“
Schneewittchen:
(ein bisschen überkandidelt) „Wem sagst du das? Überleg mal, ich habe früher sieben Männern den Haushalt geführt, und die haben wirklich Dreck gemacht, das kann man gar nicht beschreiben! Vor allem, wenn sie abends aus dem Bergwerk gekommen sind. Dagegen hattest du es mit deiner Frau Holle doch gar nicht so schlecht!“
Goldmarie:
„Ja, vor allem die Sache mit der Abfindung in Gold war gut! Davon konnte ich meine Firma gründen. Aber – „ (mit leicht spitzem Unterton) „- dafür hast ja du, Königliche Hoheit, dann reich geheiratet und kannst dich seitdem von vorn bis hinten bedienen lassen.“ (Wie auf’s Stichwort erscheint der Ober, und sie bestellt etwas zu trinken.)
Schneewittchen:
(sichtlich genervt) "Tja, aber wenn ich vorher gewusst hätte, was ich mir da für ein Goldstück angelacht habe! Ständig Überstunden, schon wieder eine neue Sekretärin. Pah! Als wenn ich ernsthaft glauben würde, er würde regieren! (lacht höhnisch!). "Immer wenn wir mal offiziell eingeladen sind, dann drückt die Krone und auch sonst hat er ständig ein Zipperlein nach dem anderen. Habe ich vielleicht ein Häubchen mit dem roten Kreuz drauf an? Soll ihn doch seine Sekretärin pflegen, dieses blonde Gift!"
Betretenes Schweigen. Der Ober nähert sich.
Schneewittchen:
"Herr Ober, einen doppelten Wodka".
Goldmarie:
"Es ist doch gerade erst Mittag."
Stimme aus dem Hintergrund – Rotkäppchen:
"Hallöchen Ihr Lieben!" (eilt an den Tisch heran, beladen mit einem Korb und einer Menge Tüten) "Schneewittchen, ach, du hast schon etwas zu trinken, wie schön!" (schnappt sich Schneewittchens Glas und nimmt einen großen Schluck – entdeckt zu spät, dass es Alkohol ist) "Ähhhh, würg, hust! Also wirklich, Schneewittchen, und das schon am hellichten Tag!"
Schneewittchen:
"Tja, liebes Rotkäppchen, erst mal hallo... und bevor du meinen Wodka säufst, wäre fragen doch sinnvoll oder?"
(Rotkäppchen sinkt, immer noch nach Luft ringend auf einen Stuhl und sieht in die Runde.)
Goldmarie:
"Sag mal, was hast du denn da alles eingekauft?"
Rotkäppchen:
"Ach weißt du, Goldmarie, die Leiterin aus dem Seniorenstift hat mir eine Liste meiner Großmutter gegeben und ich musste heute los!"
Aschenputtel:
(belustigt) "Musstest du Windeln und Gebissreiniger besorgen?"
Rotkäppchen:
"Nein, du kennst doch meine Oma, die ist doch noch fit!" (schnauft) „Herr Ober, ein Kännchen Kaffee, bitte! Die Liste war so unendlich lange. Aber, wisst Ihr, was das Höchste war?"
Aschenputtel:
"Ach komm, sag schon, so schlimm wird’s wohl nicht sein!"
Rotkäppchen:
"Von wegen! Aschenputtel, du glaubst es nicht, sie hat Unterwäsche geordert!" (öffnet Tüte unter dem Tisch, um den Inhalt her zu zeigen.)
Aschenputtel:
(grinst) "Sehr schick! Kann man mal sehen, was die Senioren heutzutage für eine kaufkräftige Zielgruppe sind! A propos kaufkräftig: Wolltest du dir nicht so eine Art Wolfshund oder so zulegen? Von wegen Konfrontationstherapie?"
Rotkäppchen:
"Nein, meine Seelenklempnerin und ich haben darüber gesprochen, und ich bin jetzt wieder weg von dieser Idee. Außerdem würde so ein Vieh Oma nur Angst machen. Ihr wisst schon, Erinnerungen an... an diese schlimme Sache damals."
Schneewittchen:
"Ist ja auch verständlich. Aus demselben Grund habe ich schon seit Jahren keine Äpfel mehr angerührt. Unser Sicherheitschef sagt das auch, von wegen Gift-Attentat und so. Ach ja, und zum Thema Gift, das BLONDE GIFT, diese Kuh von Sekretärin..."
Aschenputtel:
"Schneewittchen, du lallst ein bisschen! Vielleicht solltest du als nächstes statt Wodka lieber mal Mineralwasser trinken oder Apfelsaft?"
Schneewittchen:
(leicht sentimental) "Oh ja, Apfelsaft - den gab's damals bei den Zwergen auch immer!"
Goldmarie:
"Ähm - du weißt schon, dass man heute von KLEINWÜCHSIGEN MENSCHEN spricht?"
Schneewittchen:
"Aber damals gab's noch keine Political Correctness! Alle haben ZWERGE gesagt!"
Goldmarie:
"Aber das kommt beim Publikum heutzutage nicht mehr so gut an..."
Schneewittchen:
(achselzuckend) "Mit dem Publikum habe ich doch gar nichts mehr zu tun! Wir haben die Verwertungsrechte an der Geschichte noch vor der Hochzeit verkauft! Das läuft jetzt alles über die Leute von der Grimm AG."
Goldmarie:
(etwas spitz) „Na mich hätte das ja etwas gestört, meine Hochzeit so hinter Tüchern zu feiern, so dass ja kein Photograph unerlaubt knipsen kann.“
Schneewittchen:
(noch spitzer) „Na immerhin haben wir einen Teil des Honorars einem guten Zweck zukommen lassen! Und wir haben alle ZWERGE (spricht deutlich betont) eingeladen.“ (sinniert vor sich hin) „Na, obwohl ich ja allen Grund gehabt hätte, die Jungs statt dessen mal in der Küche schuften zu lassen. Aber immerhin - sie haben mir ja damals diesen gläsernen Sarg gemacht und alles. Tja... da war ich ja auch noch richtig was zum Anschauen...“ (kramt nach dem Taschenspiegel und stöhnt entsetzt) „Meine Güte, hier ist schon wieder eine neue Falte! Oh Gott - ich muss sofort neues Botox unterspritzen lassen!“(tippt eine Nummer in ihr Handy.)
Goldmarie:
„Wenn du das Alk-Trinken etwas einschränken würdest, dann hättest du auch weniger Falten!"
Schneewittchen:
„Praxis Immerschön? Ja hier ist Schneewittchen. Ich brauche dringend einen Termin beim Herrn Doktor für eine neue Injektion! Was soll das heißen nicht vor drei Wochen?? Es handelt sich hier um einen Notfall!!!" (hört zu am Telefon, alle anderen ebenfalls. schreit schließlich) Was soll das heißen? Hysterisch? Ich! Ich bin die Ruhe selbst! Wissen Sie überhaupt mit wem sie reden? Ich bin Schneewittchen! Ich habe einen Ruf zu verteidigen! Jetzt geben Sie mir endlich den verdammten Termin!... Na, gut - nächsten Dienstag, ja das ist o.k.“ (klappt ihr Telefon zusammen und wendet sich befriedigt an die anderen) „Geht doch!“
Rotkäppchen:
"Und, was machst du jetzt?"
Schneewittchen:
"Na, wie ich schon gesagt habe, Rotkäppchen. Ein Spritzerchen Botox – und vielleicht noch ein Peeling mit dieser Anti-Falten-Säure!"
(Rotkäppchen schaut dümmlich, kramt in einer ihrer Tüten und hält Schneewittchen Creme-Packung hin.)
Schneewittchen:
(verdattert) "Was ist das?"
Rotkäppchen:
"Das ist wesentlich gesünder, Pflanzenextrakte - und kein Öl, nimmt die Oma auch immer!"
Schneewittchen:
"Ja klar, wenn man aussieht wie eine Ziehharmonika dann hilft es vielleicht ja noch, Landei! Lass mal, der Doc macht das schon, und am Dienstag bin ich die Falten wieder los."
Rotkäppchen:
(sauer) "Ich bin kein Landei! Bloß weil du dir komische Säuren ins Gesicht schütten lässt, bist du nichts Besseres. Pass lieber auf, dass du hinterher nicht aussiehst, als hätten sie dir eine Haut verkauft, die dir eine Nummer zu klein ist. Dann siehst du aus wie deine Stiefmutter und brauchst auch diesen Zerrspiegel damit du dich noch schön findest! Vom fiesen Dauergrinsen und der eingedätschten Nase mit gut sichtbaren Nasenlöchern mal abgesehen." (packt sich das Glas von Schneewittchen, kippt den restlichen Wodka auf Ex hinunter und sieht funkelnd in die Runde.)
Aschenputtel:
"Okay, wie wär's, wenn wir jetzt alle mal wieder runterkommen und uns abregen?"
Schneewittchen:
(will sich erst aufregen, reißt sich dann aber zusammen und bleibt ruhig) "Wie würdest DU dich denn fühlen, wenn man dich ständig auf dein Aussehen reduzieren würde? Was steht denn in dieser Grimm-Geschichte über mich? Weiß wie Schee, rot wie Blut, schwarzhaarig wie Ebenholz! Mein Prinzen-Ehemann hat sich in mich verliebt, als ich bewusstlos in einem Sarg lag. In einem SARG, das muss man sich mal vorstellen. Ist doch irgendwie krank, oder?"
Rotkäppchen:
(nachdenklich-besorgt) "Also weißt du - ich könnte auch mal versuchen, dir einen Termin bei meiner Seelenklempnerin zu beschaffen. Sie hat eine lange Warteliste, aber vielleicht kann sie dich vorziehen. Und sie macht auch Paartherapie."
Goldmarie, grinsend:
„Also, Rotkäppchen, du kennst doch Schneewittchens Supermacho, der und ne Paartherapie? Nie und nimmer ! Apropos, wo ist eigentlich der Superprinz zurzeit?“
Aschenputtel:
„Ihr wisst ja gar nicht, was ihr versäumt. Also, meinem Prinz hat diese Therapie viel gebracht. Schließlich habe ich ja so ganz anders gelebt als er. Und er hatte ein Problem, nachdem er ja nur einen Schuh hatte. Aber, wir haben’s überstanden.“
Schneewittchen:
(leicht hochnäsig) „Ja klar, schließlich hat der Gute ja auch ewig gebraucht, bis er herausgefunden hat, was los war. Hätten seine Eltern bessere Securities gehabt, wäre das ja alles gar nicht passiert. Aber, die haben ja nicht kapiert, dass sie sich mit Betrügern einlassen und die falschen Weiber an ihren Prinzen lassen. Aber, der gute Mann hat’s ja noch gerafft, wie er an die Richtige kommt. Ach ja und falls es euch interessiert, mein Gemahl weilt derzeit in New York, er macht gerade einen Megadeal mit einer fiesen Hexe, die eine Lebkuchenfabrik eröffnen will und die ihre Lebkuchen hierher exportieren möchte. Eine schreckliche Frau. Die könnte auch einen Termin beim Arzt vertragen, hat scheußliche Warzen auf der Nase. Ausserdem, entschuldigt mich bitte, ich muss jetzt zu meinem Arzt, ich habe schließlich Termine!“ (schickt sich an zu gehen)
Aschenputtel:
(begütigend) „Komm, Lästerschwester, immerhin hat er mich ja schließlich gefunden. Und der Heel hat gepasst. War ja auch ein Manolo. Also, warum sollte er nicht passen? Und ein Fuß im Glasschuh ist immer noch besser, als ne Frau in ner Glaskiste.
Goldmarie:
(winkt dem Ober, schlägt die Beine übereinander und ordert) "Herr Ober, eine Runde Champagner, bitte! Gott, Mädels, seid doch froh, dass ihr einen Prinzen habt, ich hätte so gerne einen, aber, mich mag ja keiner!"
Aschenputtel:
(unterbricht) "Danke, für mich keinen Champagner. Ich muss die nächsten Monate auf Alkohol verzichten. Und Schneewittchen, Süße, du hast eben noch gesagt, dass Du erst nächste Woche den Arzttermin hast. Also komm, kriegen wir uns alle wieder ein, mach's dir bequem und dann trinken wir zusammen einen Apfelsaft, einverstanden?"
Schneewittchen:
(einen Moment lang perplex, dann...) "In Ordnung. Ja. Okay - dann nehme ich auch einen Apfelsaft." (Ober ab.) "Aber, was soll das heißen, für die nächsten Monate auf Alkohol verzichten? Bist du etwa... ich meine..."
Aschenputtel:
(platzt fast vor Stolz und ist offensichtlich froh, die gute Nachricht endlich loszuwerden) "Wir bekommen in einem halben Jahr ein Baby!"
Schneewittchen:
"Waaas? Aber, das ist ja toll!" (vergisst ihre Zickigkeit und ihre schlechte Laune und fällt der Kollegin um den Hals.)
(allgemeine Gratulation)
Alle durcheinander:
"Wann ist es denn so weit? Wie soll es denn heißen? Was wünscht Ihr Euch denn - einen Jungen oder ein Mädchen?"
Aschenputtel:
"Ach, das ist mir ja egal. Aber der Prinz will unbedingt einen Jungen haben. Ich habe auch schon ein SMS an meine gute Fee geschickt aber ich habe das Gefühl sie ist schon sehr tüdelig geworden. Sie hat mir einen Kürbis zurückgeschickt. Irgendwie hat sie da was durcheinander gebracht - den hatte ich doch als Kutsche."
Rotkäppchen:
(aufmunternd) "Ach, das ist doch egal. Die Großmutter sollte auch ein Junge werden und ihr Vater war dann ganz vernarrt in sie." (kramt in ihrem Korb und hält Aschenputtel strahlend eine Flasche unter die Nase) "Hier das ist Rotbäckchen - enthält viel Eisen, ist gut für die Gesundheit. Die Großmutter schwört darauf."
Schneewittchen:
(schniefend, reibt sich die Augen, dann etwas genervt) "Können wir nicht mal das Thema wechseln? Es ist ja schön und gut, dass du zum Muttertier mutierst - aber ich möchte mir ja nicht vorstellen, was das für eine Arbeit gibt. Und du wirst dann jede Nacht aufstehen müssen - ich kann mir nicht vorstellen, dass der Herr Königssohn das tut. Denn der muss ja auch regieren..... Nein, das wäre mir ja viel zu stressig....." (und bricht völlig in Tränen aus).
Für einen Moment betroffenes Schweigen, Überraschung über den neuerlichen abrupten Stimmungswechsel. Dann:
Goldmarie:
"Sag mal, Mädchen, was ist eigentlich wirklich los? Irgendwas stimmt doch nicht mit dir!"
Schneewittchen:
(tonlos) "Kann sein, dass wir uns demnächst scheiden lassen. Soviel zum Thema UNDSIELEBTENGLÜCKLICHBISANIHRLEBENSENDE!"
Aschenputtel:
(legt ihr wortlos und tröstend den Arm um die Schultern. Nach einer Weile:) "Das ist natürlich schlimm. Kein Wunder, dass du so durch den Wind bist. Wie... ich meine, wie konkret sind diese Pläne denn? Du sagt, es KANN SEIN...?"
Schneewittchen:
(schnieft) "Ach, ich weiß nicht. Das Wort ist jetzt in den letzten Wochen schon mehrmals gefallen Aber dann wechseln wir irgendwann das Thema und gehen zur Tagesordnung über. Und ich wüsste ja auch gar nicht, was ich dann mit mir anfangen sollte. Ich meine, wo sollte ich denn dann hin?"
Rotkäppchen:
"Was ist mit den... äh... na ja, Zwergen?"
Schneewittchen:
"Dahin zurück? Sicher, die würden mich bestimmt wieder aufnehmen, aber... ich glaube, das ist einfach nicht mehr meine Welt. Klar, wir besuchen uns zwischendurch gegenseitig, aber für immer da leben, so komplett in der tiefsten Pampa, hinter den sieben Bergen? Ich fürchte, das Leben als Einsiedlerin ist echt nix mehr für mich."
Goldmarie:
"Na ja, immerhin verstehst Du etwas von Hausarbeit. Ich meine, du warst ja schließlich früher für die Versorgung von gleich sieben Kerlen zuständig."
Schneewittchen:
(mit einer Spur Sarkasmus) "Na und? Willst Du mir vielleicht einen Job als Haushälterin anbieten?"
Goldmarie:
(gelassen) "Nein, aber vielleicht als Personalchefin. Du hat einerseits Erfahrung in der Hauswirtschaft, und du kennst auch die andere Seite, nämlich die Leute, die Hauspersonal beschäftigen. Und auch wenn du dich zwischendurch aufführst wie die Zicke vom Dienst, weiß ich doch, dass du auch ganz anders sein kannst. Und - wir haben inzwischen das einundzwanzigste Jahrhundert, da ist es ganz normal geworden, dass auch der Adel arbeiten geht, um Geld zu verdienen."
Schneewittchen:
(starrt sie eine Weile an) "Meinst du das ernst?"
Goldmarie:
"Warum nicht, wenn du deine Launen etwas besser in den Griff kriegst..."
Schneewittchen:
"Wow, ich glaube, du bist die Erste seit einigen Jahren, die mir noch was anderes zutraut, als dekoriert wie ein Tannenbaum zu Weihnachten durch ein Schloss zu laufen."
Goldmarie:
"Na, wir werden ja sehen, ob ich mich irre. Kannst mich ja mal bei Gelegenheit anrufen, und dann unterhalten wir uns in Ruhe darüber, okay?"
Schneewittchen:
"Einverstanden. Ich meine, wenn es tatsächlich so weit kommen sollte..." (Ihr Handy piepst.) "Oh!" (verblüfft lesend) "Das ist mein Angetrauter. Er ist früher aus New York zurückgekommen, hat die Sekretärin in einen Kurzurlaub geschickt und fragt, ob ich heute abend mit ihm Essen gehen will!. In unser Lieblingsrestaurant. Und dann ins Kino!"
Rotkäppchen:
(bedeutsam die Augenbrauen hebend) "Scheint so, als liegt ihm noch was an dir, oder? Und, willst Du mit ihm ausgehen?"
Schneewittchen:
"Na ja." (sich über sich selbst wundernd) "Doch, ja. Klar will ich das!"
Aschenputtel:
(aufmunternd) "Na, dann ab nach Hause, du hast bestimmt noch Zeit für ein bisschen Schlaf und eine Dusche, damit du wieder fitter wirst. Draußen stehen Taxis!"
Rotkäppchen:
(hält ihr einen Zettel hin) "Und das nimm mit, das ist die Nummer meiner Therapeutin. Du weißt schon, wegen der Paartherapie. Vielleicht kann ein Gespräch zu dritt ja ganz nützlich sein."
Schneewittchen:
(lächelt unsicher und steckt den Zettel ein) "Ja, auch glaube, genau das mache ich auch!" (sammelt ihre Sachen zusammen und winkt dem Ober)
Aschenputtel:
"Vergiss das mit der Rechnung, Ihr seid heute alle von mir eingeladen. Hab ja schließlich was zu feiern."
Schneewittchen:
"Stimmt. Tut mir leid, hätte ich fast vergessen."
Aschenputtel:
"Ist schon gut. Pass auf dich auf und mach das Beste aus dem Abend. Wir drücken dir alle die Daumen."
Die Mädels heben zum Beweis die Hände hoch und drücken demonstrativ die Daumen.
Schneewittchen:
"Danke. Ihr seid wirklich klasse!"
Goldmarie:
"Hey, Märchenkollegin, wir müssen ja schließlich zusammenhalten! Bist Du nächsten Monat wieder dabei?"
Schneewittchen:
"Na sicher, auf jeden Fall! Also, macht's gut, Mädels!"
ENDE (Teil 1)